Zum Hauptinhalt springen

Showcase Super Aspirin

Auf die Gewinner des «showcase-super-aspirin» wartete ein Selbstporträt auf Polaroid und ein Herr im Regenmantel. Er begleitete die Paare unauffällig und stumm ins Parkhaus gegenüber. Da steht tatsächlich mit laufendem Motor ein Bentley, Baujahr '92, mit Chauffeur und Begleiter sowie einem netten jungen Mann, der seine neuen Gäste herzlich begrüßt, den Wagenschlag aufreißt und zum Sitzen einlädt. Wie im Kino. Schnaps wurde verteilt und die Katze aus dem Sack gelassen: «Guten Tag und herzlich willkommen. Sie sind zu Gast bei einer von uns nachgestellten Autofahrt, die Ralf Rainders und Roland Fritsch 1975 im Februar durch Hannover (tatsächlich war es Berlin, d. Red.) unternommen haben. Wir haben diese Brillen für Sie vorbereitet, damit sie die folgende Fahrt im Cinemascope-Format erleben können. Und damit sie das folgende nicht mit einern Video-Clip verwechseln. Ich möchte sie bitten, diese Brillen jetzt aufzusetzen. » Das Sichtfeld der gereichten Taucherbrillen ist mit Klebestreifen auf Breitwand-Dimension gebracht worden und soll «das visuelle Material verteuern».


Besprechungen

  • Learning by doing Eine Forschungsreise durch das «Live.Performance.Art»-Festival  «Home & Away» in Hannover Von Claudia Hennes in THEATER HEUTE, Nr.12 Dezember 1999

Diese Bentley-Fahrt war die stärkste Arbeit des Festivals und entfachte mit theatralischen Mitteln, mit Text und Musik, eine unter die Haut gehende Spannung, die kein noch so gut gespielter Tschechow erreichen kann. Die Authenzität des Kontextes, die Stadt, das Auto, kann kein noch so raffiniertes Bühnenbild zaubern. Im Theatersaal bleiben die Zuschauer vor dem Geschehen sitzen, hier saßen sie mittendrin und waren auf Gedeih und Verderb dem «Stück» und den Spielern ausgelierfert. Dabei verliert sich keine Sekunde das Bewußtsein, Teil einer Inszenierung zu sein, die nicht mit dem wahren Leben zu verwechseln ist....Früher geschah das aus Wut gegen den «ganzen Quatsch», den sie bei ihren Praktika und Besuchen in den städtischen Theatern erleben mußten. Heute sehen sie sich mit ihrer Arbeit einfach nur «auf einer anderen Baustelle», sehen ihre Nähe zur Performance und Installation. Der Raum ist für ihre Arbeit konstituierend - er sollte nicht neutral sein, über Eigenheiten verfügen, die man uminterpretieren kann -, denn der Raum bestimmt die Atmosphäre, in der sie sich ausbreiten. In den so geschaffenen Kontext werden die Zuschauer geworfen. Die vor Jahrzehnten geforderte (Nach-)Wirkung der Kunst im Kopf wird ohne Wenn und Aber durchgesetzt. Inszeniert und gefiltert durch unterschiedliche Medien, gehen «Showcase Beat Le Mot» dem Publikum genauso an die Wäsche wie einst Peter Handke mit seiner «Publikumsbeschimpfung»..... Unbekümmert, nicht unbedarft, gehen sie ans Werk: Sie besprechen ihre Ideen, die sich zu Themen verdichten, suchen Orte, sammeln Material und reduzieren in einem langwierigen Prozeß die Materialfülle zu einem Stück. Alle basteln aus ihrer eigenen Wahrnehmung und Anschauung eine eigene Auffassung. Die ist ernst gemeint und ernst zu nehmen.