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 Was tun Jungs, wenn sie lange Zeit in einem Bunker verbringen müssen? Wenn sie keinen Fernseher haben und nicht einmal Bücher oder Betten, sondern nur ein paar Schläuche von LKW-Reifen, Musikinstrumente und ein bisschen Spielzeug? Wenn es keine Tageszeiten mehr gibt, keine Mädchen und keine Pflichten?

Antworten präsentieren die fünf Performer der Live-Art-Gruppe Showcase Beat Le Mot in ihrem neuen Programm „Burn Cities Burn“ im ehemaligen Alabama-Kino auf Kampnagel. Rund um die Spielfläche, auf Autoreifen und Bierkästen, machen es sich derweil die Gäste so gemütlich wie möglich.

Sie trinken und rauchen, ein Performer bastelt sich Schuhe aus Luftpumpen und trainert damit seine Waden. Aus Reifen und Pullovern entstehen Monster-Puppen, die zum Belafonte-Playback ihre Mäuler bewegen: „Day-0, day-ay-ay-o“. Mit Lichterketten umwickelt werden die Darsteller zu wunderschönen beweglichen Lichtskulpturen. Sie erzählen Geschichten: über das Sterben und die Städte. Die Männer fühlen sich dabei offensichtlich mit freiem Unterleib besonders wohl, sie tragen selten mehr als dreizehn Pullover übereinander.

Die besondere Qualität von Showcase Beat Le Mot: Sie stellen Atmosphäre her und intensive Stimmungen. Was im Schauspielhaus - bei »Futur Zwei« - mit viel Anstrengung und Aufwand eher misslingt, schaffen Showcase mit spielerischer Leichtigkeit: Sie skizzieren das Lebensgefühl der um die 30-Jährigen. Traditionalisten mögen das für Trash halten, Menschen, die sonst eher in Clubs oder Konzerte gehen, genießen es - und erleben viel mehr als bei „Big Brother“.

Nele-Marie Brüdgam