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Alles, was Kaiser Franz je geschrieben hat, ist nur das Vorspiel zu einem gewaltigen, menschheitserschütternden Happy End. Auf dieses Ende hat sich Kafka so gefreut, dass er nie dazu gekommen ist, es aufzuschreiben. Vielleicht kann man es auch gar nicht aufschreiben, ahnte er. Deshalb rekrutiert am Ende seines Romans „Amerika“ eine geheimnisvolle Wandertheatertruppe Mitglieder, um das große Ende auf die Bühne zu bringen. Jeder ist willkommen. Für jeden ist Platz. Niemand wird abgelehnt.

Kafka ist kein trauriger Autor, düster ebenfalls nicht, depressiv auch nicht. Höchstens zornig, das vielleicht, aber keinesfalls kafkaesk. Inspiriert von seinem gleichnamigem Roman wollen wir Kafkas „Schloss“ im Marstall leibhaftige, sinnliche Wirklichkeit werden lassen, ein Schloss des guten Ausgangs, eine Wellnessoase für Verzweifelte, ein Amt für geistige Libertinage, in dem die Verwirrung des modernen Daseins sich selbst feiert.

The Happy Ending of Franz Kafkas Castle ist der lustvoll unheilvolle Wunschtraum von einer anderen Art des Zusammenlebens. Nachdem ihr euch vor dem Schlosstor in einer gestalteten Warteschleife zwischen posaunenden Engeln, Höllenfeuern, Fetischpatrouillen und Pferdeparaden die Beine in den Bauch gestanden habt, findet ihr schließlich eure Rolle als Gäste in höfischem Ornat. König und Königin warten schon, das Protokoll ist streng und unerfüllbar, das Menuett versucht, euch zu disziplinieren, aber der Raum ist frei. Zusammen mit eurer Alltagskleidung legt ihr auch euer altes Leben ab und findet in Kafkas kathartischer Sauna, auf der mystischen Massagebank und an unserer reich gedeckten Tafel Eingang in eine Welt, in der niemand fehl am Platz ist.