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Die Revolution ist eine Bildermaschine: Seit Ende des 18. Jahrhunderts haben die großformatigen Schlachtenmalereien ausgedient – sie wurden abgelöst von Darstellungen historischer Augenblicke, die das Kriegerische ordnen und die kurzen Momente der Anarchie in eine Form gießen. Schicksalhafte Notwendigkeit und Unausweichlichkeit, das ist die Botschaft. Konkrete Ereignisse fließen mit ihrer Vorgeschichte und ihren Folgen zusammen und werden zu einer Metapher, die politische und soziale Zwänge pathetisch überhöht. Bis in die Gegenwart setzt sich die Vorstellung vom bedeutsamen, alles entscheidenden Augenblick in Comic-Kultur und Dokumentarfotografie fort.
„ PARIS 1871 BONJOUR COMMUNE “ ist der dritte Teil einer Quadrologie, die sich mit gescheiterten Revolutionen beschäftigt. Der Aufstand und die Belagerung von Paris im Jahr 1871 wird zu einer Repräsentation, die ebenso scheitert, wie die dazugehörige Revolution gescheitert ist. Gesiegt hat sie nur in den Bildern, die sie sich notdürftig bastelte, um im Nachhinein den zerrissenen Leibern, zerstörten Visionen und vergessenen Schicksalen einen Sinn zu geben.
Die Berliner Performance-Gruppe Showcase Beat le Mot, die sich in klarer Abgrenzung zu den Arbeitsstrukturen der Stadttheater lieber mit einer Band vergleicht, wagt sich mit gewohnt anarchischer Forschheit an einen bewusst pathetischen Schöpfungsakt, in dem das Grau der Chaostage in stummes Licht und lärmende Dunkelheit geschieden wird.

"PARIS 1871 BONJOUR COMMUNE“ ist eine Produktion von Showcase Beat le Mot in Koproduktion mit Hebbel am Ufer, Steirischer Herbst und Kampnagel Hamburg.

Gefördert durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin – Senatskanzlei – kulturelle Angelegenheiten und die Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Kultur, Sport und Medien.

Performance, Text, Raum, Kostüme: Showcase Beat Le Mot
Musik: Einzelkind
Choreographie: Showcase Beat Le Mot, Dorothea Ratzel
Bauten: Atia Trofimoff, Christian Wenzel
Grafik: Anne Luft
Projektionen: Friedemann Hanewinckel
Regieassistenz: Stefan Rüdinger
Produktionsleitung: Olaf Nachtwey