deutsch | english
1534
Premiere am 23. Januar, auch 24. bis 26. Januar
1534 wird das christliche Abendland von Todesängsten heimgesucht, so wie jedes Mal, wenn die Gesellschaft von tief greifenden Umwälzungen erschüttert wird. Eine besondere Planetenkonstellation führt zu kollektiven panikartigen Zuständen. Menschen klettern auf Bäume, um von dort aus die Ankunft Christi abzuwarten. Die Lutherbibel mit Reproduktionen von Dürers Apokalypse wird immer wieder neu aufgelegt: eine düstere Fibel für Abertausende von Analphabeten. Menschenmengen veranstalten spontan Aufführungen des Jüngsten Gerichts. Unterdessen versuchen die deutschen Bauern sich der alten Ordnung zu entledigen. Sie fordern, eine Gütergemeinschaft zu schaffen und das Reich der Gerechtigkeit herbeizuführen. Der Antichrist, von dem sie sprechen, hat zwei Gesichter: das des Papstes und das Luthers.
Unterdessen retten sich die in ganz Mitteleuropa verfolgten Wiedertäufer nach Münster in Westfalen, um dort ihre Vorstellungen von einer freien Gesellschaft in die Tat umzusetzen. Sie experimentieren mit freier Liebe, polygamen Haushalten, Drogen, Massenorgien, mystischen Ritualen und Erlösungszeremonien, bis die Truppen des Bischofs Franz von Waldeck die belagerte Stadt einnehmen, die Revolutionäre hinrichten und zur Abschreckung in eisernen Körben am Turm der Lambertikirche aufhängen.
Es gibt ein bestimmtes Bild vom Mittelalter. Dunkel soll es gewesen sein, voller Gefahren und Krankheiten, Irrglauben und Gottesbeweisen. SCBLM zweifelt an diesem Bild und bringt Licht ins Dunkel. Nicht nur ein paar Kerzen, sondern ganze Bataillone von Lampen, die noch die düstersten Ecken beleuchten. SCBLM fügt dem festgefahrenen Bild des Mittelalters eigene Bilder hinzu. Hieronymus Bosch und Lucas Cranach werden in Neonfarben getaucht. Die Bauern werden mit Vitaminen überschüttet, bis ihr Urin leuchtet. Die Leibeigenen können aus den einfachsten Zutaten Gold erschaffen, soviel Gold, dass die Straßen damit ausgebessert werden. Der Klerus und der Adel werden mit einer neuen Form des Singspiels ruhig gestellt. Gott trägt Markenklamotten mit Sponsorensignets, und Satan beginnt so schlecht zu singen, dass sich später doch wieder alle einig sind, in einer furchtbaren Zeit gelebt zu haben.
1534 ist eine Koproduktion von Showcase Beat le Mot, Hebbel am Ufer, donaufestival.at und WUK Wien.
Gefördert durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin – Senatskanzlei – kulturelle Angelegenheiten und das Nationale Performance Netzwerk im Rahmen der Koproduktionsförderung aus Mitteln des Tanzplan Deutschlands der Kulturstiftung des Bundes.
Performance, Text, Raum, Kostüme: Showcase Beat Le Mot
Musik: Thies Mynther
Choreographie: Minako Seki, Showcase Beat Le Mot
Magie: Manuel Muerte
Assistenz: Atia (TM)
Gesangsunterricht: Sonja Bach, Gershon Sales
Bauten: Christian Wenzel
Foto: Atia (TM)
Video: Alexej Tscherny
Plakat: Ruth May
Produktionsleitung: Olaf Nachtwey